Bericht: Franziska Duss, Präsidentin LUBVJZ, Bilder : Franziska Duss/studipictures
Als Gründungsmitglied der Luzerner Braunvieh Jungzüchter bot Kurt Willmann zum Jubiläumjahr die einmalige Gelegenheit an, einen Blick in seinen Betrieb zu werfen.
Mit einer Betriebsfläche von 40 ha, 7.4 SAK und den Betriebszweigen Milchwirtschaft, Schweinemast, Wald-, Futter- sowie Ackerbau bewirtschaftet Kurt Willmann einen vielseitigen und intensiven Landwirtschaftsbetrieb.

Exterieur und Leistung
Das grosse Herzstück des Betriebes bildet seit eh und je die Braunviehzucht, in welche viel Engagement, Leidenschaft und Zeit investiert wird. Dies bestätigen unter anderem die zahlreichen Ausstellungserfolge auf nationaler sowie internationaler Ebene. Vier Abteilungssiege und der Titel Mention Honorable am Gotthard Open 2013, die Reserve Champion Kuh an der Betriebsmeisterschaft 2013 sowie bei den älteren Kühen an der Europameisterschaft in Rotholz sind nur drei von zahlreichen Schauerfolgen. Dass die reine Braunviehherde bei WTS-Genetics nicht nur im Exterieur-, sondern auch im Leistungsbereich besticht, verdeutlichte der hohe Herdedurchschnitt mit 9‘466 kg Milch, 4.46 % Fett und 3.6 % Eiweiss. Der Grundstein dieser hohen Leistungsbereitschaft und der zahlreichen Ausstellungserfolgen bilden auf dem Betrieb Willmann einerseits die Zucht sowie das professionelle Management rund um die Kuh.
Tiefe Zuchtfamilien
Kurt Willmann ist bestrebt, eine robuste, exterieur- und leistungsstarke Kuh zu züchten. Die Kuh soll zudem mit einer guten Fruchtbarkeit, tiefen Zellzahlen sowie einem unkomplizierten und ruhigen Umgang überzeugen. In der Viehzucht wird bei WTS-Genetics grossen Wert auf die Kuhfamilien gelegt. Zu den wichtigsten Kuhfamilien auf dem Betrieb Willmann gehört die Familie von Zoldo Mara (24 Nachkommen), Starbuck Jola (12 Nachkommen) und Gardan Rosina (7 Nachkommen). Mit dem Vigor-Sohn Ripley schaffte es im letzten Winter ein Stier aus der Linie von Gardan Rosina den Sprung in den Zweiteinsatz. Neben letzterem befinden sich zurzeit sieben weitere Stiere im Prüfeinsatz oder in der Wartehaltung bei Swissgenetics. Über dies sind die Tiere von WTS-Genetics international begehrt. Aktuell sind weibliche, in Menznau gezüchtete Braunviehtiere in Österreich, Italien, Deutschland, Frankreich, Australien, Kanada sowie den USA vertreten.
Kuhkomfort und Beobachtung
Im Management rund um die Kuh wird viel Wert auf einen hohen Kuhkomfort sowie die Tierbeobachtung gelegt. Dabei spielen ein grosszügiges Strohbett, mehrere Grossraumlüfter, viel Licht und genügend Platz eine zentrale Rolle. Zur Überprüfung der Protein- und Energieversorgung werden täglich die Kotfarbe sowie der Augenausfluss überprüft. Mit der täglichen Beurteilung der Kotbeschaffenheit und dem wöchentlichen Zählen der Wiederkauschläge wird die Strukturversorgung kontrolliert. Der aktuelle Wert von 67 Wiederkauschlägen pro Bissen liegt über den angestrebten 60 Schlägen, was als positiv gewertet wird. Ein besonderes Augenmerk wird auf die frisch laktierenden Kühe gelegt. Um gegen Krankheiten, wie Milchfieber und Euterentzündungen vorzubeugen, wird bei jeder Kuh in den ersten zehn Laktationstagen zweimal täglich Fieber gemessen.
Hohe Grundfutterleistung
Gefüttert werden die Braunviehkühe mit einer TMR. Dabei bilden die Grundfuttermittel Gras- und Maissilage mit je 20 kg die Hauptkomponenten. Willmann ist bestrebt, den Kraftfuttereinsatz tief und die Grundfutterleistung hoch zu halten. Dazu wird im Futter- und Ackerbau nicht nur auf die Quantität sondern insbesondere auf die Qualität geachtet. Gemäss dem diesjährigen Prüfbericht weist die Grassilage pro Kilogramm Trockensubstanz einen Gehalt von 6.7 MJ NEL und 206 g Rohprotein auf. Mit einem Flächenertrag von 152 dt/ha im Futterbau und 208 dt/ha beim Mais, gehört der Betrieb Willmann zu den Topbetrieben der Schweiz.
Intensive Aufzucht
Die Aufzucht wird bei WTS-Genetics nicht dem Zufall überlassen. Um die gewünschten Tageszunahmen bei den Aufzuchtkälbern zu erreichen, wird zur TS-Verdichtung in der Tränkephase Milch mit Milchpulver verabreicht. Weiter steht den Kälbern Raigras betontes Heu, Wasser und Kraftfutter zur freien Verfügung. Nach 90 Tagen sollten die Aufzuchtkälber ein Gewicht von 125 kg aufweisen. Im Abschnitt vom dritten bis achten Monat erhalten die Kälber eine separate Kälber-TMR mit einem Gehalt von 6.7 MJ NEL und 177 g Rohprotein. Ab dem 8. Monat wird eine Mischung mit Emd, Grassilage und Stroh verabreicht. Im Sommer werden die Rinder geweidet.
Auch die Gemütlichkeit kam in der Road-Runners-Bar, die sich auf dem Betrieb Willmann befindet, nicht zu kurz.




